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Der Karlsgraben", eine Technik-Ruine mit Flair
Rundwanderweg um die "Fossa Carolina", das Wasserbauprojekt Karls des Großen vor mehr als 1200 Jahren
Wissenswertes zum Weg „Als er (König Karl der Große) überzeugt worden war von Leuten, die sich für zuständig hielten, man könne bequem von der Donau in den Rhein gelangen, wenn man zwischen Rednitz und Altmühl einen schiffbaren Graben zöge, …begab er sich sogleich mit seinem ganzen Gefolge an Ort und Stelle, warb eine große Zahl von Arbeitern an und verblieb den ganzen Herbst bei diesem Unternehmen. So wurde dann der Graben zwischen den genannten Flüssen in einer Länge von 2000 Schrittspannen (gut 3 km) und einer Breite von 300 Fuß (etwa 100 m) gezogen. Doch vergebens: Wegen anhaltender Regengüsse und der von Natur aus sumpfigen und feuchten Bodenbeschaffenheit konnte das, was geschaffen wurde, keinen Bestand haben. Was die Werksleute tagsüber an Erde aushoben, das fiel des Nachts wieder zusammen, indem das Erdreich an seinen Platz zurückrutschte. Dieweil er sich mit diesem Werk befasste, erreichten ihn zwei üble Botschaften, einmal von einem völligen Abfall der Sachsen, zum anderen von einem Überfall der Sarazenen… Durch diese Nachricht bewogen, kehrte er nach Franken zurück…“. So übersetzt von W.E. Keller in seiner neuen Broschüre „Karlsgraben – Fossa Carolina“ den Bericht der „Lorscher Annalen“ vom Kanalbau Karls des Großen im Herbst des Jahres 793, der die beiden Flusssysteme von Rhein und Donau miteinander verbinden sollte. Da es damals bei uns nur die wenigen Altstraßen der Kelten bzw. Römer gab, waren die Flüsse wichtige Verkehrswege, auch wenn sie nur mit kleinen Kähnen befahren werden konnten. Der Bau des Karlsgrabens war also ein Projekt von hervorgehobener Bedeutung. Dafür wählten die Planer des Königs die für die damaligen verkehrstechnischen Größenordungen günstigste Stelle: Beim Dorf Graben nördlich von Treuchtlingen kommen sich die beiden Flusssysteme von Donau und Rhein so nahe wie nirgendwo sonst. Nur zwei Kilometer sind es hier von der Schwäbischen Rezat – sie fließt dem Main zu – zur Altmühl, die in die Donau mündet. Die „Europäische Talwasserscheide“ dazwischen hat lediglich einen Höhenunterschied von 12 Metern. Noch heute beeindrucken die Reste des „Kanals“ am nördlichen Dorfrand: Links und rechts des bis zu 5 Meter tief mit Wasser gefüllten „Karlsgrabens“ türmen sich 1300 m lange, teilweise über 6 Meter hohe Wälle auf, die sich nach etwa 500 Metern nur ganz allmählich im Gelände verlieren, aber bis zuletzt eine Sohlenbreite von 30 Metern erkennen lassen. Außer den Jahrbüchern des Klosters Lorsch berichten auch spätere Quellen von Karls Kanalbau. Doch je weiter sie sich zeitlich vom Ereignis entfernen, desto mehr sind sie mit Details ausgeschmückt und werden deshalb heute von den Forschern sehr kritisch beurteilt. So bleiben viele Fragen um die „Fossa Carolina“ ungeklärt oder umstritten: Sollte der Höhenunterschied in einem einzigen Durchstich, also ohne Stufen, überwunden werden oder in einer Weiherkette, bei der die Kähne auf Rutschen jeweils auf die nächste Höhe gezogen wurden? Führten wirklich ausgiebige Regenfälle zum Abbruch des Unternehmens oder waren es nur die - heute nachgewiesenen - ungünstigen geologischen Verhältnisse? Wie wurden die Tausende von Bauarbeitern versorgt? Warum fand man bisher keinerlei Spuren von Werkzeugen, Nahrungsmitteln und Versorgungswegen, warum keine Überreste von den sicher zahlreichen Toten, die der Kanalbau forderte? Wurde der Kanal tatsächlich auch verwendet und wie lange? Wurde schon vor Karl daran gebaut und stellte in dieser nur fertig? Oder ist er gar ein Werk der Römer, die damit die Obere Schambach zur Wasserversorgung in ihre große und „wasserhungrige“ Stadt Weißenburg umleiteten? Mit all diesen Fragen beschäftigt sich eine sehr sehenswerte Dauerausstellung in Graben, deren Besuch die Besichtigung der Fossa Carolina sinnvoll ergänzt.
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