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Auf dem mittelfränkischen Jakobsweg von Roßtal nach Heilsbronn
Kirche in Heilsbronn - Chor
und Langhaus Wissenswertes zum Weg Als 1992 der evangelische Pfarrer von Heilsbronn, Paul Geißendörfer, den Jakobsweg von Nürnberg nach Rothenburg der Vergessenheit entriss und ihn als „geistlichen Wanderpfad“ neu belebte, ahnte er wohl nicht, dass er damit dank der ungeheuren öffentlichen Resonanz eine Welle der Wiederbelebung der alten Jakobswege auslösen sollte. Plötzlich wurde in Deutschland und darüber hinaus eine Vielzahl dieser alten Pilgerwege auf „modernen“ Routen „reaktiviert“ – auf Feld- und Waldwegen, aber auch auf noch vorhandenen, zum Teil sehr alten Fußpfaden. Orientierung boten dabei Jakobs- und sonstige bedeutsame Kirchen, Wallfahrtsorte und Klöster entlang des Weges. Inzwischen überziehen die „neuen“ Jakobswege, die sich an den historischen Routen orientieren, zusammen mit den alten netzförmig wieder ganz Mitteleuropa. Sie alle laufen sternenförmig auf das eine Ziel zu: das Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela. Als Tagesetappe auf dem mittelfränkischen Jakobsweg bietet sich die Strecke von Roßtal nach Heilsbronn an. Die Kirchen in Roßtal und in Bürglein und nicht zuletzt das Münster in Heilsbronn bieten Gelegenheit zu besinnlicher Einkehr, und der Weg selbst - durch Wälder und offene Landschaft, über Hochflächen und durch idyllische kleine Täler, vorbei an Bächen und Fischteichen und durch freundliche fränkische Dörfer - bietet viel Abwechslung. Und nicht zuletzt ist stündlich die Rückkehr mit dem Zug möglich Ziel und Höhepunkt dieser Tagesetappe ist Heilsbronn mit seinem romanisch-gotischen Münster, eine der außergewöhnlichen Kirchen Frankens. Es war der Mittelpunkt des Zisterzienserklosters, das 1132 Bischof Otto I. von Bamberg hier stiftete und das bald zu großer wirtschaftlicher und kulturgeschichtlicher Bedeutung gelangte. Zahlreiche Grabdenkmäler im Westchor zeugen davon, dass viele fränkische Adelsfamilien zu den Förderern Heilsbronns zählten. Die fränkischen Hohenzollern waren schon seit 1240 Vögte des Klosters. Sie bekannten sich schon früh zur Reformation und führten auch in Heilsbronn die evangelische Kirchenordnung ein. Aber erst als 1578 der letzte Abt starb, wurde das Kloster in ein Ansbachisches Amt umgewandelt. Von etwa 1534 war in den Gebäuden eine Kloster-, ab 1581 bis 1736 eine sogenannte „Fürstenschule“ untergebracht. Heute befindet sich darin das „Religionspädagogische Zentrum“ der Evangelisch – Lutherischen Kirche in Bayern. Die erste Klosterkirche wurde 1150 geweiht; von ihr sind noch das Mittelschiff, nördliche Seitenschiff, Querschiff und der westliche Teil des Ostchores erhalten. Im 14. Jahrhundert wurde der Westchor, die so genannte „Ritterkapelle“ erbaut, 1412-33 das südliche Seitenschiff zum zweischiffigen „Mortuarium“ umgebaut. Mehr als 500 Adelige sind hier begraben. Nicht zu Unrecht erhielt das Münster schon am Ende des Mittelalters die Bezeichnung „Schatzkammer der fränkischen Ritter“. Von der damaligen Ausstattung ist noch sehr viel erhalten: etwa die qualitätvollem gotischen Altäre, das Sakramentshaus (1515) und eine Pieta (um 1500) im Chor sowie zahlreiche weitere Skulpturen und Tafelbilder. So bietet sich dem Besucher eine von tiefer Religiosität geprägte Vielfalt christlicher Kunst – würdiger und sinnvoller Endpunkt dieser „Tagespilgerschaft“, der mithelfen kann, angesichts der vielfältigen modischen und ausufernden Begleiterscheinungen auf dem Jakobsweg den großen Sinn des Pilgerns auf diesem Ur-Pilgerweg nicht aus dem Auge zu verlieren.
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