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Der Gang auf den Kalvarienberg in Gosheim
Wissenswertes zum Weg
Ein großes Kreuz markiert das Ende des Kreuzweges, der auf den Kalvarienberg in Gosheim führt. Es steht auf einem kleinen „Gipfel“, gebildet von ein paar Felsköpfen, die aus der Trockenrasenfläche herausschauen. Unwillkürlich fühlt man sich hier an den Ort der Kreuzigung Christi erinnert, den die Bibel wegen seiner kopfförmigen Form „Golgatha“, nennt, lateinisch „Kalvaria“, „Schädelstätte“. Ganz sicher ließ sich der Gosheimer Pfarrer Peter Brand, der die Kreuzweganlage 1890 stiftete, von diesem Eindruck leiten; er stellte die Bedingung, dass die kleine Felsgruppe, auf der das Kreuz errichtet werden sollte, nicht verändert werden dürfe. Man erfüllte ihm seinen Wunsch, und mit seiner für damalige Verhältnisse großzügigen Spende von 2580 Mark wurden unter Mithilfe der Gemeindebürger die 14 Kapellen mit den ausdrucksvollen neugotischen Reliefs der 14 Stationen des Kreuzwegs errichtet und der Weg angelegt, der sich unter einer Reihe Bäume auf den Berg zieht. Die Fertigstellung der Herz-Jesu-Kapelle neben dem Kreuz im Jahr 1892, für die Pfarrer Brand noch einmal 1555 Mark zur Verfügung stellte, erlebte er nicht mehr. Weit geht der Blick vom Kalvarienberg ins Ries und zum begrenzenden Kamm der Schwäbischen Alb. Der Hesselberg, Schloss Baldern, der Ipf mit seinem charakteristischen flachen Plateau, Wemding mit der Wallfahrtskirche Maria Brünnlein und viele andere Orte im Ries sind an klaren Tagen zum Greifen nah - ein Platz wie geschaffen zum Ausruhen und Schauen, aber auch ein Ort der Besinnung und des Gebetes. Zahlreiche Menschen besuchen während des ganzen Jahres diese Stätte; besonders groß aber ist die Zahl derer geworden, die jeden Karfreitag um 10 Uhr den Kreuzweg betend zum großen Kreuz hinaufziehen. In Gosheim ist freilich nicht nur der Kreuzweg etwas Besonderes, sondern auch die Kirchenanlage mitten im Ort, noch ganz umschlossen von einer hohen Mauer. Diese und der auf der Bergseite noch erhaltene tiefe Graben sind die Reste einer wehrhaften Burg. Der heutige Kirchturm ist auf dem ehemaligen Bergfried errichtet, der auf Zeit um 1250 datiert wird. Die 1734 eingeweihte, barock ausgestattete Kirche steht wohl an der Stelle der ehemaligen Burgkapelle. Bemerkenswert ist ihr Rokoko-Kreuzweg mit einer 15. Station: der Kreuzauffindung durch die Kaiserin Helena. Die Fresken von fünf Heiligen des Jesuitenordens an der Emporenbrüstung erinnern an die Neuburger Jesuiten, die im 17. und 18. Jahrhundert Grundherren von Gosheim waren - für sie auch eine Art Sommersitz. Das Schloss im ehemaligen Burgbereich wurde 1694-96 errichtet. Beim Eingangstor an der südlichen Wehrmauer, die auch den Friedhof umschließt, steht noch der Karner, dessen oberer Stock mit einer barocken Ölberggruppe ausgestattet ist. Die karolingische Königsmark Gosheim – der Ort ist 793 erstmals urkundlich erwähnt - bildete im frühen Mittelalter den Mittelpunkt des ursprünglichen Sualafeldgaues, eines „Außenpostens“ der fränkischen Macht gegen die Bayern. Zur 1200-Jahrfeier wurde der Ortskern vorbildhaft renoviert. Die Lage Gosheims am Rande des Ries verführt zum Wandern, vor allem zu einem weiteren großartigen Aussichtspunkt, dem Mähhorn, und nach Huisheim mit seiner sehenswerten Kirche. Auf dem Rückweg präsentiert sich das Ensemble aus Schloss und Kirche als „Krone“ und weithin sichtbares städtebauliches Zentrum des Ortes.
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