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"Warum denn in die Ferne schweifen...?"
In keinem Angebot der Reiseveranstalter fehlen heute Fahrten ins Erzgebirge. Die dort vor allem nach dem Versiegen des „Bergsegens“ entstandenen Erzeugnisse des Handwerks ziehen uns vor allem in der „dunklen Jahreszeit“ an. Aber „warum denn in die Ferne schweifen“? Durch die Heimatvertriebenen sind die kunsthandwerklichen Erzeugnisse aus dem Erzgebirge – Weihnachtskrippen und -schmuck, Holzspielzeug, Musikinstrumente, Bergwerksszenen, Klöppelarbeiten und viele mehr - auch in unsere Museen gekommen. So auch nach Gunzenhausen. Hier fand 1989 in einem von der Stadt renovierten historischen Fachwerkstadel eine kleine, aber eindrucksvolle „Erzgebirgsschau“ ihre endgültige Bleibe. Ehemalige Bürger der einst blühenden Industriestadt Weipert mit damals 12000 Einwohnern, an der böhmisch-sächsischen Grenze gelegen, gaben die Sammlung mit ihrer bewegten Kriegs- und Nachkriegsgeschichte 1989 hierher in die Obhut ihrer Partnerstadt. Was sie in mühevoller Kleinarbeit ehrenamtlich aufbauten, kann sich sehen lassen, vor allem die Arbeiten des versierten Holzschnitzers Paul Endler. Seine Weihnachtskrippe in einer orientalischen Landschaft ist Kernstück der Ausstellung. Nicht minder beeindrucken die 11 Szenen aus dem Leben Jesu von der Flucht nach Ägypten bis zur Auferstehung. Bis in die Einzelheiten ist das Leben der Menschen in kunstvoll geschnitzten Figuren vor der liebevoll gestalteten Landschaft der Heimat dargestellt: Eine erzgebirgische Winterlandschaft mit der Jugend auf dem Eislaufplatz, Menschen bei der Arbeit im Bergwerk und auf dem Feld und eine „Hutz´nstubn“, in der sich abends die Leute zur geselligen Unterhaltung bei Musik und Gesang, aber auch zu Heimarbeiten trafen. Szenen aus der Märchenwelt, die im Erzgebirge immer besonders lebendig war, ergänzen die Schau. Alle diese Schnitzwerke bestechen durch ihre hohe künstlerische Qualität und ihren Detailreichtum. Die meisten Figuren bewegen sich durch eine mechanische Vorrichtung; deshalb ist die Schau auch für Kinder recht kurzweilig. Im Eingangsbereich des Museums empfängt den Besucher eine große Schauvitrine mit einer Krippe, hineingestellt in die erzgebirgische Landschaft mit den historischen Gebäuden der Stadt Weipert. Und natürlich darf in einer Erzgebirgsschau auch die Weihnachtspyramide nicht fehlen. Zwei sehr schöne Exemplare geleiten im Treppenaufgang zur Ausstellung hinauf Während die Erzgebirgsausstellung überwiegend im zweiten Obergeschoß untergebracht ist, befindet sich die „Weiperter Heimatstube“ mit Klöppelarbeiten, Posamenten, Fotos, Relieflandschaften und Erinnerungsstücken aus der alten Heimat in der ersten Etage. Sie vermittelt einen guten Eindruck vom damaligen Umfeld der erzgebirgischen Volkskunst. Wer sich über diese noch gründlicher informieren möchte, dem wird für eine stille Stunde in der Weihnachtszeit folgende Internetadresse empfohlen: www.altmuehlnet.de/~erzgebirgische_volkskunst_in_bayern
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