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Gar mancher Weg führt zum Ziel
Wissenswertes zum Weg
Ungezählte Wege führten im Mittelalter zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago. Immer wieder konnte sich der Pilger unterwegs auch zwischen Alternativstrecken entscheiden. Auch am neu markierten Jakobsweg verweist an der Frauenbergkapelle in Eichstätt eine dreieckige Stele der Bildhauer Raphael und Wieland Graf den Pilger auf zwei Möglichkeiten für seinen Weiterweg und verlangt ihm damit eine Entscheidung ab – für den „Normalweg“ über Bergen und Kaisheim oder den neuen Wallfahrtsweg über Monheim und Wemding. Aber er kann sicher sein: Beide führen ihn in Richtung Santiago. Trotz der auch im Mittelalter schon vorhandenen Wegzeichen ist der Pilger manchmal auch Fehlwege gegangen, musste umkehren, hat Umwege gemacht und war vielerlei Gefahren ausgesetzt. So mancher hat damals sein Ziel auch überhaupt nicht erreicht. Auch jeder, der sich heute auf den Jakobsweg macht, weiß, dass die Orientierung manchmal nicht ganz leicht und die Strapazen übergroß sein können. So kann der Jakobsweg zum Bild werden für den eigenen Lebensweg. Auch in unserem persönlichen Leben werden uns immer wieder Entscheidungen abverlangt. Doch unabhängig davon, welchen Weg wir wählen: Die grundsätzliche „Richtung“ muss stimmen. Und ob wir Umwege machen, ob wir uns verirren und umkehren müssen, ob uns das Leben leicht fällt oder niederdrückt - letztlich kommt es darauf an, die Orientierung nicht zu verlieren, nicht aufzugeben und das Ziel zu erreichen: „Gar manche Wege führen aus dieser Welt hinaus. O dass wir nicht verlieren den Weg zum Vaterhaus“. Der Wegabschnitt über Bergen und Kaisheim hat zwei „Gesichter“. Der erste Teil führt auf nicht immer angenehm begehbaren Wegen vorwiegend durch wenig abwechslungsreiche, ja eintönige Nadelwälder. Die zweite Etappe dagegen verläuft durch den südlichen Teil des weiten Urdonautales und danach lange in offenem Gelände auf dem Südabfall des Jura nach Westen. Hier bieten sich weite Ausblicke auf die Donau und die schwäbisch-bayerische Hochebene im Süden, bei klarem Wetter sogar bis zu den Alpen. Auch dieser Unterschied zwischen den beiden Landschaften kann für den Pilger symbolhaft sein: Nicht immer ist unser Lebensweg leicht, manchmal ist er steinig, oft drücken und erdrücken uns die Sorgen, rauben uns jegliche Perspektive und erlauben keinen „Aus-weg“. Aber auch in einer solchen Öde haben wir unsere „Markierungen“, mit deren Hilfe wir zum Ziel finden. Ein andermal wiederum steht uns die Welt offen, das Leben ist erfüllt von Freude und alles erscheint licht, leicht und weit. Doch auch dann gilt es, nicht leichtsinnig zu werden, sondern beharrlich auf dem rechten Weg zu bleiben. “Echte“ Jakobspilger wollen nicht einfach nur durch schöne und interessante Landschaften wandern und die Welt erleben. Wichtig ist ihnen, was hinter der Pilgerschaft steht. Die Stele auf dem Frauenberg verweist darauf: Die Gestalt des hl. Jakobus ist vertieft eingearbeitet – ein Hinweis darauf, dass der Heilige für den Pilger anfangs vielleicht noch nicht so „greifbar“ ist, seine Person und seine Botschaft auf dem Weg für ihn aber immer fassbarer werden. Wer sich auf diesen Weg macht, „entrinnt der Oberflächlichkeit des Alltags und lässt sich auf das Geheimnis des Lebens ein“ (Martin Werlen, Abt des Klosters Einsiedeln). Die Wallfahrtskirche des ehemaligen Benediktinerinnenklosters Bergen mit der bedeutenden Kreuzreliquie und das ehemalige Zisterzienserkloster Kaisheim mit der Kirche Mariä Himmelfahrt können uns auf der neu markierten Wegetappe dabei helfen, zu uns selbst und zu einem bewussten Leben als Christen zu finden.
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