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Eine Oase der Ruhe und Besinnung
Der Johannisfriedhof mit Blick auf
die Holzschuherkapelle Wissenswertes
Dieser Friedhof verbreitet trotz der vorbei führenden Hauptstraße eine einzigartige Atmosphäre der Besinnlichkeit. Ein Meer aus unzähligen Blumen schmückt zu allen Jahreszeiten die Hunderte von liegenden Grabsteinen aus Nürnberger Sandstein. 6 Werkschuhe lang (1,67 m) und 3 Werkschuhe breit (83 cm) dürfen sie höchstens sein. Keiner, auch nicht der angesehenste Verstorbene, soll seinen Nachbarn „übertrumpfen“. Im Tod sind alle gleich – so die anschauliche Botschaft. Und Bürger jeglichen Standes, reich und arm, berühmt oder unbekannt fanden und finden hier bis heute ihre letzte Ruhe. Oft verschweigen die Grabsteine sogar ihre Namen. Aber trotzdem „reden“ die Steine hier im Nürnberger Johannisfriedhof. Die grauen Grabsteine mit ihren in Bronze gegossenen Inschriften, Wappen, Reliefbildnissen, Handwerkerzeichen und christlichen Symbolen erzählen von den Menschen, die ihn ihnen ruhen. Eines der „redenden“ Wappen auf dem Grab des Goldschmiedes Hans Bauch veranschaulicht z.B. humorvoll seinen Namen: Der Meister transportiert seinen Bauch auf einem Schubkarren. Ein Totengräber ist an seiner Grabschaufel und der Mondsichel zu erkennen, dem Zeichen der Vergänglichkeit. Und ein Elefant auf dem Grab eines Fernhändlers erzählt, dass er bis nach Indien Handelsverbindungen hatte. Wer auf einen Entdeckungsrundgang geht, dem geben Werkzeuge, Produkte und Symbole auf den Grabsteinen auch einen Einblick in die Vielfalt der Handwerksberufe im alten Nürnberg. Wohl an die hundert verschiedene wird er entdecken, darunter heute gänzlich verschwundene oder sehr seltene wie Beutler, Büttner, Gürtler, Fingerhutmacher, Barchentweber, Panzermacher, Flaschner, Lederer, Schellenmacher. Auch der erste deutsche Lokomotivführer, der die 1835 zwischen Nürnberg und Fürth verkehrende Eisenbahn fuhr, ist hier begraben. Das am meisten besuchte und zugleich eines der schlichtesten Gräber ist das von Albrecht Dürer „Was an Albrecht Dürer sterblich war, liegt unter diesem Grabhügel“, kündet eine schlichte Bronzeplatte. Anbringen ließ sie Dürers Freund Willibald Pirckheimer, der in Eichstätt geborene berühmte Humanist, Auch dieser selbst ruht hier nahe der Holzschuherkapelle. Die Inschriftenplatte auf seinem schmucklosen Grabstein rühmt ihn als „Patrizier und Ratsherrn der Stadt Nürnberg, Ratgeber der beiden Kaiser Maximilian I. und Karl V.“, als einen Mann, „der in der Besorgung hervorragender Staatsgeschäfte besondere Fähigkeiten zeigte, der sehr vertraut war mit der griechischen und lateinischen Sprache“ Nicht zuletzt sind im Johannisfriedhof Mitglieder vieler Nürnberger Patrizierfamilien begraben, die Paumgartner, Holzschuher, Harsdorf, Tucher, Behaim, Rieter, Stromer, Imhoff und viele andere. Einen besonderen optischen Akzent auf dem Friedhof setzt die „Müntzer´sche Säule, ein 7 Meter hohes Grabdenkmal. Im Mittelpunkt des Reliefs steht der Auferstandene mit der Siegesfahne, darüber thront die Dreifaltigkeit. Die Johanniskirche inmitten des Friedhofs, einzige der im Krieg unzerstört gebliebenen Nürnberger Kirchen, ist mit ihren Altären, Skulpturen und Glasfenstern ein gotisches Kleinod. Die von Hans Behaim d.Ä. errichtete Holzschuherkapelle birgt mit der Grablegung Christi die letzte der sieben von der Burg zum Friedhof führenden Kreuzwegstationen des berühmten Bildhauers Adam Kraft, des Schöpfers des Sakramentshäuschens in St. Lorenz.
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