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Der sagenumwobene Heidenberg
Wanderskizze
Wissenswertes zum Weg
Zwei bedeutende mittelalterliche, strategisch wichtige Reichsstraßen querten vom 9. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts den Heidenberg, das große Waldgebiet zwischen Abenberg, Kammerstein, Schwabach und Roth. Die „Burgunderstraße“ verlief im Westen des Heidenbergs über Kammerstein, die „Italienstraße“ führte im Osten über Kühedorf. In Schwabach, das wegen seiner Lage vor den Toren Nürnbergs zur Wirtschaftshauptstadt der Ansbacher Markgrafen wurde, bündelten sich beide Straßen. Ziel war die Reichsstadt Nürnberg. Im weichen Sandstein des Heidenbergs haben diese viel benutzten Verkehrswege bis heute Spuren hinterlassen: Tief eingegrabene, parallel verlaufende Hohlwegfächer durchziehen die Auf- und Abstiege – herausragende Denkmäler der mittelalterlichen Wirtschaftsgeschichte. Gesichert waren die beiden Straßen durch die nahen Burgen Kammerstein, Kühedorf und Abenberg. Könige, Adelige, Krieger. Handelszüge der Kaufleute, aber auch Pilger und Bettler waren auf diesen Straßen unterwegs. Als 1434 der Markgraf die Route ins Rednitztal verlegte, wurden sie nur noch von einzelnen Reitern, von Bauern und vor allem von Juden genutzt. Letztere brachten auf der Italienstraße ihre Toten von Schwabach zum jüdischen Friedhof nach Georgensgmünd, da ihnen die öffentlichen Wege damals aus Angst vor dem „bösen Blick“ verwehrt wurden. Lange war der Heidenberg Jagdgebiet der Ansbacher Markgrafen, die ihn zum Hirschgehege für ihre Jagden ausbauten. Geschützt durch ihre Erlasse wurden die Hirsche zur Landplage. Immer wieder verwüsteten sie die Felder der Bauern, bis sie schließlich die Preußische Regierung 1792 vollständig abschießen ließ. Natürlich entstanden auf einem solchen Nährboden Sagen. Sie erzählen von den gefahrvollen Reisen, von den geplagten Bauern, von allerlei Geistern und Unholden, die den tiefen Wald bevölkerten. So streifte in den Nächten das „Wilde Heer“ laut pfeifend durch den Wald, die Köpfe von unerlösten Kindern unter dem Arm, die vor der Taufe gestorben waren, und der Fuhrmann, der vergaß, den Hemmschuh einzulegen und von den Rädern zermalmt wurde, sitzt noch heute auf dem Balken des steinernen Sühnekreuzes und wartet darauf, dass ihn jemand erlöst. Der sehr interessante „Sagen- und Reichsstraßenwanderweg“ im Heidenberg erzählt auf 22 gut gestalteten Informationstafeln nicht nur die Sagen und vermittelt den Hintergrund ihrer Entstehung, sondern erklärt mit informativen Texten und Abbildungen auch die verbliebenen gegenständlichen Zeugnisse der Geschichte: Die Spuren der beiden Straßen im Gelände, die Reste der Burganlagen in Kühedorf und Kammerstein, den Burgwall Osterwiese, ein mittelalterliches Sühnekreuz, den „Fraisch-stein“, das „Luderloch“, den „Rug-stein“ und andere. Am neu gestalteten Dorfplatz in Kammerstein steht seit 2000 auch das „Exulantendenkmal“ Es erinnert an die aus Österreich vertriebenen Protestanten, die nach dem 30-jährigen Krieg in die entvölkerte Markgrafentum Ansbach einwanderten und das Land wieder zum Blühen brachtenBildtexte: |