|
Wächter über dem Tal der Anlauter
Wissenswertes zum Burgenweg
Warum üben Burgruinen auf uns moderne Menschen, auf Erwachsene, aber auch Kinder, eine solche Anziehungskraft aus? Ist es ihre romantische Lage, ist es ihre Unzugänglichkeit, die ihre Erkundung oft ein wenig abenteuerlich macht, ist es das Sagenhafte und Märchenhafte, das sie umgibt, ist es das ganz andere, von unserem so verschiedene Leben der Menschen, die sie einst bewohnten? Burgen mussten sichere Wohnorte sein. So wurden sie in möglichst unzugänglicher Lage erbaut, auf Felskegeln und Bergspornen und immer über Flusstälern, denn das Wasser, das meist mühsam hinaufgeschafft werden musste, war lebensnotwendig. Kein Wunder, dass das Altmühltal mit seinen wasserreichen Seitentälern besonders reich an Burgen ist. Allein auf dem Gebiet der Markgemeinde Kinding, wo sich Altmühl, Anlauter und Schwarzach zusammenfinden, zählt man 17 Verteidigungsanlagen aus verschiedenen geschichtlichen Epochen. Die Gemeinde Kinding erleichtert jetzt den Besuch der wichtigsten dieser Verteidigungsanlagen. In Zusammenarbeit mit dem Burgenforscher Helmut Rischert hat sie einen Burgenwanderweg markiert, ihn mit hervorragenden Informationstafeln versehen und Rischerts Forschungsergebnisse in Form einer bebilderten Broschüre herausgegeben, die im Rathaus erhältlich ist. Der zweiteilige Rundweg führt im Altmühltal (Teil 1) und im Anlautertal (Teil 2) zu den interessantesten Befestigungen. Das „Highlight“ - Ausgangspunkt beider Wege - liegt mitten in Kinding selbst: der Wehrkirchhof um die Pfarrkirche. Mit seinen drei hohen Türmen demonstriert er anschaulich seine Wehrhaftigkeit. Wehrkirchen waren in den zahlreichen Unruhen und kriegerischen Auseinandersetzungen des Mittelalters Zufluchtsorte für die Dorfbevölkerung. Die Burgen blieben dem Adel vorbehalten. Der westliche Teil des Burgenweges, den wir gehen, beginnt in Enkering. Hier ist der Friedhof noch von der Wehrmauer umgeben; die aber heute niedriger ist als früher. Ein Rundbogentor führt in den Wehrbereich. Hoch über dem Ort, auf einem steilen Bergsporn, thront die sagenumwobene Rumburg. Von der höher gelegenen Vorburg mit den Wirtschaftgebäuden war sie durch einen tiefen, in den Fels geschlagenen, auch heute noch eindrucksvollen Graben geschützt. Ihre Angriffsseite deckte eine 17 m hohe, einst begehbare Schildmauer. Die Ruine „Rundeck“ auf einer steilen Bergzunge über Erlingshofen heißt eigentlich „Stossenberg“, so benannt nach Paul Stosser, der sie Ende des 14. Jahrhunderts auf der Ruine der einst den Edelfreien von Erlingshofen gehörenden Burg errichtete. In der Romantik bekam sie, wohl wegen der halbrunden Form der erhaltenen Mauerteile, diesen Namen. Lohnend ist der Abstecher zum Burgstall „Wieseck“ auf einer Bergzunge über dem Kerntal. Das gut erhaltene, ganz mit Immergrün überwucherte Bodendenkmal bestand aus Haupt- und Vorburg, getrennt durch den in den Felsen gehauenen Graben. Unser Rückweg verläuft ab Erlingshofen auf dem wenig befahrenen Radweg durch den idyllischen Talgrund der Anlauter. Deren Lauf ist noch weitestgehend unberührt; in vielen Windungen schlängelt sie sich nach Enkering, vorbei an Weilern und aufgelassenen Mühlen, die sie einst angetrieben hat. Beachtenswert ist das „Feste Haus Eibwang“, eine im Spätmittealter erbaute Wasserburg, deren Graben noch auf drei Seiten deutlich im Gelände sichtbar ist.Weitere Bilder Kulturwanderung |