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Dem "Kindl" auf der Spur
Foto: Pressestelle der Stadt Ingolstadt
Wissenswertes zum Weg
Zum Weihnachtsfest 1594 schickte der Herzog Maximilian von Bayern ein „schons weihnachtskripl“ an seine drei jüngeren Brüder, die an der Universität in Ingolstadt studierten. Und der Ingolstädter Jesuitenfrater Josef Brandstätter (1542 – 1625) wird von seinen Zeitgenossen als „Urheber der Krippen“ bezeichnet, „die zur Weihnachtszeit in der ganzen Provinz aufgestellt werden“. Beides deutet auf eine lange Krippentradition in Ingolstadt hin. Es liegt also ganz auf der Linie dieser Tradition, dass man hier in Ingolstadt - heuer schon im 7. Jahr - einen der schönsten „Krippenwege“ in Bayern gehen kann. Dessen Herzstück sind drei Ausstellungen mit besonderen Kostbarkeiten. In der Spitalkirche, wo der Schwerpunkt der Exponate traditionell auf wertvollen alten Krippendarstellungen aus kirchlichem und privatem Besitz und seltenen Stücken aus dem Franziskanerinnenkloster Gnadenthal liegt, sind neben dem großen Fatschenkindl erstmals auch „Trösterlein“ aus dem Kloster öffentlich ausgestellt. Zum ersten Mal ist auch die Versuchung Jesu in der Wüste mit dem vielen Ingolstädtern noch bekannten Teufel zu sehen, ein Teil der großen Münsterkrippe, der bei der musealen Aufstellung der Krippe im Südturm des Münsters keinen Platz fand. Eine eindrucksvolle schmiedeeiserne Krippe von Hans Sax steht zu diesen Ausstellungsstücken im fruchtbaren Kontrast. In der Asamkirche „Maria de Victoria werden mit zwei „Trösterlein“ zwei Kostbarkeiten aus der Abtei St. Walburg gezeigt. Vier Szenen von Norbert Tuffek - Verkündigung, Maria und Elisabeth, Maria im Dornwald und die Herbergssuche - bilden gewissermaßen der Auftakt für die große Ausstellung des Krippenzyklus dieses Künstlers mit der groß angelegten Anbetung der Hirten und Könige, der Darstellung im Tempel und der Flucht nach Ägypten im Stadtmuseum. Seit vielen Jahren arbeitet der Wendelsteiner Holzbildhauer an den Bauten, Figuren, ihrer Ausstattung und den liebevollen Details, die seine fränkische Heimat widerspiegeln, und so manche Person trägt die Züge von Bekannten, Freunden und Verwandten des Künstlers. Aber auch in anderen Kirchen der Innenstadt, der Außenbezirke und der Ortsteile finden sich bemerkenswerte Werke der Krippenkunst. Absolutes Prunkstück ist die Weihnachtskrippe im Münster aus dem 18. Jahrhundert mit den Szenen der Kindheitgeschichte Jesu, ganz in jesuitischer Tradition. Zahlreiche erstklassige Handwerker und Künstler haben an ihren 260 Figuren gearbeitet Die wohl bedeutendste der modernen Krippen des Ingolstädter Krippenweges mit rund 1,20 m großen, in weichen Farbtönen gefassten Figuren steht im Krippenzelt auf dem Christkindlmarkt. Michael Graßl schuf sie 1989. Dominant sind Gesichter der Personen: Kein entspanntes Lächeln liegt auf ihnen, ihre Blicke verraten vielmehr Erstaunen, ja Erschrecken über das unglaubliche Geschehen, das sich da abspielt. Die Arbeit des Künstlers an diesem Werk ist bestimmt von den Parellelen zwischen der Herbergssuche von Maria und Josef und der heutigen Asylproblematik mit ihrer oft vergeblichen Suche nach einer Unterkunft und neuen Heimat. So entstand eine wirklich „aktuelle“ Krippe – wohl auch die „meditative Krone“ des Krippenweges“. |