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Ein Brunnen im Festtagsgewand
Wissenswertes
Schon seit Mitte Januar trafen sie sich wöchentlich einmal und hatten dabei nur ein Ziel im Auge: Den Samstag vor dem Palmsonntag, den Tag, an dem sie seit mehr als einem Jahrzehnt „ihren“ Osterbrunnen schmücken. Auch heuer ist er wieder einer der schönsten im Nürnberger Umland.
Die Gruppe von etwa 20 Frauen aus Leinburg versteht sich als überkonfessionell und steht allen offen, die ihr Hobby teilen wollen. Sie bringen bei ihren Treffen ihre Ideen ein, entwerfen Motive, reinigen, lackieren die Eier, bemalen sie und schmücken damit schließlich den Brunnen, den die Sparkasse der Gemeinde gestiftet hat. Unter der Regie der beiden „Motoren“ Berta Endreß und Irene Kellermann trägt jede ihren Teil bei, jede nach ihrer künstlerischen oder handwerklichen Begabung, und jede entwickelt dabei ihren ganz individuellen Stil. Jedes einzelne der 2300 Eier-Kunstwerke, die heuer den Brunnen schmücken, ist anders bemalt - mit Bienen, Vögeln, Käfern, Schmetterlingen, Küken, Hühnern, Hähnen und natürlich Osterhasen, mit Blumen, Bäumen und Landschaften, mit fränkischen Fachwerkhäusern und Dorfszenen oder auch mit religiösen Motiven. Der Phantasie der Künstlerinnen kennt dabei wirklich keine Grenzen.. Jedes Jahr gestalten sie den Brunnen ein wenig anders. Das „Grundgerüst“ bleibt zwar dasselbe, aber darum angeordnet sind jeweils unterschiedliche, aus Eiern zusammengefügte „Leitmotive“ wie Blumen, Glocken, Bögen, Maibäumchen. Heuer sind es farbenprächtige Schmetterlinge.
Der Brauch des Brunnenschmückens zur Osterzeit kommt aus der Fränkischen Schweiz. Dort musste man in trockenen Zeiten das kostbare Nass mühsam von den Quellen im Tal in die Dörfer auf der wasserarmen Hochfläche hinaufschaffen. So lernte man es Lebensgrundlage schätzen. Diese Wertschätzung brachte man schließlich dadurch zum Ausdruck, dass man die Brunnen nach der Frühjahrsreinigung schmückte: Auf Girlanden aus Fichtenzweigen, mit denen man sie umwand, wurden bemalte Eier aufgesteckt, Symbole der Fruchtbarkeit und der Hoffnung und in der Kunst früherer Jahrhunderte auch der Auferstehung Christi. Von der Fränkischen Schweiz hat sich das Brunnenschmücken in den vergangenen Jahrzehnten in die angrenzenden Gebiete ausgebreitet. Jeder Ort, der „etwas auf sich hält“, schmückt seinen Brunnen, und mancherorts versucht man gar, den anderen dabei zu überbieten - leider mitunter auch in erster Linie zur Förderung des Tourismus. Den Leinburger Frauen liegen solche Motive fern. Sie schmücken ihren Brunnen, weil sie in diesem Hobby Erfüllung finden und damit viele Menschen erfreuen. Und auch das Helfen kommt dabei nicht zu kurz: In der angebrachten Spendenbüchse und durch den Kauf von bemalten Eiern hinterlassen die Besucher eine respektable Geldsumme, und diese wird in gutem ökumenischem Einvernehmen der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde zu gleichen Teilen für einen guten Zweck zur Verfügung gestellt. Auch der Kindergarten wird jährlich mit einem Geschenk bedacht. Ein weiterer sehr sehenswerter Osterbrunnen schmückt die Ortsmitte im benachbarten Ortsteil Diepersdorf. Ein Spaziergang dorthin oder eine längere Rundwanderung über den von der Mauritiuskapelle bekrönten Moritzberg ist nicht zuletzt wegen der herrlichen Aussicht auf das Altdorfer Land sehr lohnend.
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