|
Zu detonierten Resten der "Mindorf-Linie",
Wissenswertes zum Weg
Schon Karl d. Gr. ließ 793 nahe dem heutigen Treuchtlingen die „fossa carolina“, den „Karlsgraben“ bauen, doch erst König Ludwig I. schuf von 1836 bis 1845 mit dem „Ludwigskanal“ einen wirklich brauchbaren Schifffahrtsweg, der die Flusssysteme von Rhein und Donau verband, aber auch bald den Ansprüchen nicht mehr genügte. 1921 wurde mit dem Ziel, eine Main-Donau-Wasserstraße für Schiffe bis zu 1500 t Tragfähigkeit zu bauen, die Rhein-Main-Donau-AG gegründet. Geplant wurde damals – nach vielen im Sande verlaufenen Planungen in den Jahrhunderten zuvor - im Wesentlichen die 1992 fertig gestellte Trasse des heutigen Kanals. Im Gebiet von Hilpoltstein aber wich sie davon ab; sie verlief einige Kilometer südlicher über Eckersmühlen, Hofstetten, Pyras, Mindorf und Lay nach Sulzkirchen. Als nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich der Kanalbau im Mai 1938 zur „Reichsaufgabe“ erklärt worden war, wurde diese als „Mindorf-Linie“ bezeichnete Kanaltrasse 1939 vermessen und markiert. Zwischen Hofstetten, Mindorf und Pyras mussten die Bauern ihren Wald auf 40 m Breite abholzen. Für eine neue Straße Pyras – Mindorf, die den Kanal überqueren sollte, wurden die Brückenpfeiler und ein Durchlass für den Minbach betoniert. Bei Mindorf untersuchte man auf einer Fläche von 1 ½ Hektar den Untergrund, um Erkenntnisse für die Abdichtung des Kanalbetts zu gewinnen. Dann begann 1939 der 2. Weltkrieg. Die meisten Bauarbeiter wurden zur Wehrmacht eingezogen. An ihrer Stelle arbeiteten jetzt polnische Kriegsgefangene auf den Baustellen. 1942 wurde der Kanalbau ganz eingestellt, denn die Arbeiter wurden in der Nürnberger Industrie benötigt. Nach dem Krieg wurde die Mindorf-Linie aufgegeben und die kürzere Trasse nordöstlich von Hilpoltstein gewählt. Die jetzt besseren technischen Möglichkeiten erlaubten es, das Kanalbett tiefer einzugraben und den Höhenunterschied statt durch 5 Schleusen, die für die Mindorf-Linie nötig waren, durch die zwei Schleusen Eckersmühlen und Hilpoltstein zu überwinden. Die Durchlassröhre für den Minbach und zwei Brückenpfeiler aus verwitterndem Beton nördlich von Pyras sowie zwei Fischteiche bei Mindorf aber zeugen noch heute unübersehbar von dieser interessanten Marginalie in der langen Geschichte des Kanalbaus.
Von ganz anderer Art ist die zweite Sehenswürdigkeit an unserem aussichtsreichen Wanderweg im Vorland der Fränkischen Alb, die katholische Kirche St. Stephan in Mindorf. Schon von weitem beeindruckt die einstige Wehrkirche mit ihrem massigen Turm und dem steilen Langhausdach. Noch mehr aber macht sie ihre Ausstattung unzweifelhaft zu einem bedeutenden Beispiel ländlicher Kunst im Bistum. Die spätgotische Schablonenmalerei auf der Holzdecke des Langhauses und die aus starken Bohlen gezimmerten Bänke mit originellen lisenenförmigen Wangen verleihen dem Kirchenraum einen urtümlichen Charakter, zu dem der Hochaltar aus dem späten Rokoko und die barocken Seitenaltäre in dezentem Kontrast stehen. Das spätgotische Holzrelief der Anbetung der Könige am rechten Seitenaltar ist das wohl wertvollste Schnitzwerk. Künstlerisch am bedeutendsten jedoch sind die Fresken aus dem 14. Jh. in der Sakristei, dem früheren Chor der Kirche: die Symbole der vier Evangelisten im Gewölbe und die Darstellungen von Rosenkranzgeheimnissen an den Wänden |