|
Ins romantische Tal der Gailach
Wissenswertes zum Weg
Kaum eine Gegend in unserem Bistum ist landschaftlich so abwechslungsreich und geologisch so voller Besonderheiten wie das nur wenige Kilometer lange Tal der Gailach. Steile, von Wald oder von artenreichem Trockenrasen bestandene Hänge säumen es, und die grauen Halden inzwischen aufgelassener Plattenkalkbrüche verleihen ihm seinen eigenen Reiz. Auch heute ist hier die Steinindustrie noch ein wichtiger Erwerbszweig. Windungsreich schlängelt sich der wasserreiche Bach durch die Talaue. Mit einer Quellschüttung von 600 – 700 Litern in der Sekunde tritt er in Mühlheim zutage. Auf ihrem nur 3 km langen Weg von der Quelle bis zur Mündung in die Altmühl bei Altendorf trieb die Gailach früher nicht weniger als sechs Mühlen. Gegenüber der Finstermühle kurz vor Mörnsheim wird sie gespeist durch sieben Quellen, die auf wenigen Metern nebeneinander entspringen. Deshalb der Name dieser Stelle: „Sieben Brünnle“. Kurz vor Mündung in die Altmühl liegt am nördlichen Talhang das „Grafsloch“, eine Felsformation mit einer schon vor 70000 Jahren besiedelten Höhle. Nach den Tropfsteinansätzen an ihrer Decke heißt sie auch „Steinerner Rosenkranz“. Über den romantischen Felspartien des Altmühltals nördlich der Gailachmündung liegt der ausgedehnte „Wacholdergarten“ mit übermannshohen Wacholderbüschen. Heute heißt der Ort an der Mündung des Flüsschens Altendorf; ursprünglich nannte man ihn „Morinesheim“, Mörnsheim. Schon 918 ist er urkundlich bezeugt. Unter Bischof Heinrich von Zipplingen (1225/28) wurde etwas taleinwärts eine Höhenburg errichtet, zu deren Füßen ein neuer Ort planmäßig angelegt wurde. Auf ihn ging der Name Mörnsheim über, und das ursprüngliche Dorf wurde zu Altendorf. Auch an Geschichte und Kultur ist das Tal reich, war doch Mörnsheim schon früh Besitz der Eichstätter Bischöfe und bis 1640 Sitz eines bischöflichen Pflegers. 1354 erhielt der Ort von König Karl IV. das Recht Märkte abzuhalten, kann also heuer „650. Jahre Marktrecht“ feiern. Die Burgruine, der das Ortszentrum beherrschende ehemalige Kastenhof aus dem Jahr 1612, der angebaute Torturm von 1404 und Reste der schon um 1300 erbauten Wehrmauer zeugen noch heute von diesem großen Abschnitt der Mörnsheimer Geschichte. Einen Besuch lohnt die Pfarrkirche St. Anna. 1955/56 wurde sie unter Verwendung alter Teile neu erbaut; 2003 erfolgte eine sehr gelungene Umgestaltung des Altarraums. Ein viel besuchter Wallfahrtsort ist die barocke Wallfahrtskirche „Maria End“ in Altendorf, die den Taleingang markiert. Das Gnadenbild auf dem linken Seitenaltar, eine Terracottagruppe aus dem Ende des 15. Jahrhunderts, zeigt Maria auf dem Sterbelager, umgeben von den liebevoll mit Gebetbüchern, Weihwasserkessel und Weihrauchfass ausgestatteten Aposteln. In die Kühle dieses Gotteshauses kann der Wanderer nach erlebnisreichen Stunden eintauchen und Erholung finden auch für seine Seele, im stillen Gebet, dass auch seine irdische Pilgerschaft einst ein gutes Ende finde, wie es der Vers über dem Chorbogen erfleht: „Verehre hie Maria End, dass Gott dir geb ein seeliges End, gut nem dein Seel in seine Händ“.
|
||||||||