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Monheim, Walfahrtszentrum des Mittelalters
Wissenswertes zum Weg
Plötzlich konnten Lahme wieder gehen, Blinde sehen, Stumme sprechen: Von 54 solchen außergewöhnlichen Heilungen berichtet der Priester Wolfhard mit konkreten Orts-, Zeit- und Personenangaben in seinen zwischen 894 und 999 verfassten „Monheimer Wunderberichten“. Kurz zuvor, um das Jahr 879, hatten die beiden adeligen Schwestern Liubila und Gerlinda im damaligen Ort „Mounheim“ ein Benediktinerinnenkloster gegründet. Ob solcher „Verschwendung“ ihres reichen Erbes wurde Liubila, die erste Äbtissin, von ihrer Sippe stark unter Druck gesetzt. So übereignete sie, um ihr Kloster rechtlich abzusichern, 893 ihren gesamten Besitz dem Bischof Erchanbald von Eichstätt. Dieser entsprach ihrer Bitte um Überlassung eines Teils der Reliquien der hl. Walburga, die noch im gleichen Jahr nach Monheim überführt wurden. Die Kunde von den Wundern, die nun einsetzten, verbreitete sich in ganz Süddeutschland. Das Monheimer Kloster wurde in kurzer Zeit eine bedeutende Wallfahrtsstätte.
unordentlichen Wirtschaftsführung aufzuheben. 1542 führte Ottheinrich das protestantische Bekenntnis ein. Die Reliquien der hl Walburga wurden vernichtet und die Wallfahrt kam zum Erliegen. 1574 brach man auch die Klostergebäude ab. Nur ein Rest des romanischen Kreuzgangs und das stattliche heutige „Haus St. Walburg“ an der Südseite der Kirche blieben erhalten. Unter Pfalzgraf Wolfgang Wilhelm wurde Monheim 1614 wieder katholisch. Die Klosterkirche St. Walburg wurde kurz nach 1500 als spätgotische Hallenkirche neu erbaut und zwischen 1700 und 1740 barockisiert. Die fünf Altäre wurden 1803 bei der Aufhebung des Klosters Kaisheim erworben. Besonders reich ausgestattet ist die Kanzel des Eichstätter Stukkateurs Jakob Eck von 1721. Die Gemälde an der Emporenbrüstung erzählen von der Ankunft Walburgas aus England, der Übertragung ihrer Gebeine nach Monheim und ihrer Verehrung durch die Monheimer Stände. Seit 1700 besitzt die Kirche auch wieder Walburga-Reliquien. Die Silberstatue der Diözesanpatronin hinter dem Reliquienschrein in der Walburgakapelle links vom Chor, Werk eines Augsburger Künstlers um 1700, ist das kostbarste Stück der Kirche. Aus Pfalz - Neuburgischer Zeit stammt das um 1650 als Sitz des Pflegers und Landvogtes errichtete Schloss. An die zahlreichen Juden, die bis zu ihrer Ausweisung 1740/41 in Monheim wohnten, erinnert das heutige Rathaus, ein schlossartiger Bau, den sich 1714–20 Abraham Elias Model errichten ließ. Seine große Besonderheit sind die alttestamentlichen Szenen der Stuckdecke im Festsaal. Am aussichtsreichen Wanderweg liegen die „Brandkapelle“ mit einer Kreuzweganlage, eine ausgedehnte Ringwallanlage, die sehenswerte Peterskapelle von 1668, an deren Stelle vor 900 die erste christliche Kirche Monheims stand, und das Gasthaus „Lamm“, in dem 1518 Luther übernachtete. |