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Heimat der heiligen Viehmagd Gundhildis
Wissenswertes
Nach dem Glauben des Volkes lebte sie als einfache Dienstmagd im oberen Schambachtal bei Treuchlingen und war bekannt durch demütige Lebenshaltung, große Wohltätigkeit und Nächstenliebe. Als Heilige verehrt wird sie nur in unserer Diözese, vor allem in „ihrem“ Tal und in der Weißenburger Gegend: Gunthildis von Suffersheim. Sie gilt als Patronin der Dienstboten und des Viehs. Dargestellt ist sie in bäuerlicher Kleidung mit Milchkübel oder Milchkanne, manchmal auch mit einem Käselaib. Mit einer Kuh ist sie in der Kirche in Biberbach bei Beilngries zu sehen, in Dettenheim bei Weißenburg ist sie Patronin der bekannten „Scheunenkirche“. Bischof Gundekar (1057-75) nahm ihr Bild in sein Pontificale auf und weihte ihr einen Altar im Dom. Im 15. Jahrhundert gilt sie in St. Walburg als Verwandte der hl. Walburga. Das Kalendarium der Diözese nennt den 28. September als ihren Gedenktag. Wer aber war Gunthildis wirklich? Ist sie eine Gunthildis, die zur Zeit Willibalds, Walburgas und Solas lebte oder eine Frau gleichen Namens aus dem 10./11. Jahrhundert? Die Historiker streiten sich bis heute darum. Für den Glauben des Volkes war es von untergeordneter Bedeutung. Es errichtete ihr gut 1 km westlich von Suffersheim eine Kapelle, deren älteste Bauphase ins 11., die jüngere ins 15. Jahrhundert zurückgeht. Mehrere Jahrhunderte war sie Ziel von Wallfahrten, bis sie schließlich nach Einführung der Reformation aufgegeben wurde und verfiel. Die wohl eindrucksvolle Frau Gunthildis und ihre Verehrung jedoch leben in der evangelischen und katholischen Bevölkerung bis heute fort. Ein 1992 in Weißenburg gegründeter Förderverein setzte sich die Wiedererrichtung der ehemaligen Wallfahrtskirche als ökumenische Gunthildiskapelle zum Ziel. Durch viel Eigenleistung und mit Hilfe von Spenden konnte sie gebaut werden. 1995 weihten sie der Abt von Plankstetten und der evangelischen Dekan von Pappenheim ein. Der Architekt Johannes Geisenhof wählte als Grundriss den Ammoniten. In der Form des Kapelleneingangs und im Steinfußboden ist dieser gut zu erkennen. Aus seinem Zentrum wächst ein Ambo in die Höhe. Dessen 12 gebündelte Säulen symbolisieren die 12 Stämme Israels als Ursprung des Volkes Gottes. Darüber hängt das Kreuz. Der Körper des Erlösers ist aus den Kreuzesbalken ausgespart und damit quasi negativ dargestellt; er ist nicht mehr Materie, sondern Licht. Der Tod wird aufgelöst durch die Auferstehung. In einer Nische steht die Statue der Hl. Gunthildis. Mit einer Hand zeigt sie auf das Kreuz, mit der anderen auf die Heilige Schrift auf dem Ambo. So weist sie wie in ihrem Leben auf das Zentrum unseres Glaubens hin. Das Zeltdach der Kapelle ist getragen von 12 Balken: Wir sind geborgen in der Kirche mit den 12 Aposteln. Heute ist die am Talhang gelegene Kapelle gerade auch in den Wintermonaten Ziel vieler Spaziergänger. Hier, inmitten des idyllischen Schambachtals mit seinem fast unberührten mäandrierenden Flusslauf, mit ergiebigen Quellen, Feuchtgebieten, Trockenhängen, Mühlen und kleinen fränkischen Dörfern finden sie Erholung für Seele und Leib.
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