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Unterwegs im Sulzbürger "Landl"
Wissenswertes
Der mächtigste und historisch bedeutsamste der „Zeugenberge“, die sich aus dem Neumarkter Becken erheben, ist das vierkuppige Massiv aus Schloss- Bad-, Galgen- und Schlüpfelberg. Zwei mittelalterliche Schlösser Nieder- und Obersulzbürg, krönten einst den Schlossberg, an dessen Hang sich heute auf 570 m Höhe der Ort Sulzbürg erstreckt. Von hier aus lenkten die Herren und späteren Reichsgrafen von Wolfstein und Sulzbürg fast 500 Jahre die Geschicke ihres kleinen Territoriums. Sie taten dies mit Umsicht und Erfolg.
1561 nahmen sie das evangelisch-lutherische Bekenntnis an und die
Bevölkerung folgte ohne Zwang. In der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts
fanden nach und nach zahlreiche 1740 erfolgt im Landl ein einschneidender Regierungs- und Besitzerwechsel: Graf Christian Albrecht stirbt ohne männliche Erben. Gemäß einer früheren Vereinbarung zwischen dem Kaiser und Bayern fällt sein Territorium an das katholische Kurfürstentum Bayern – der erste evangelische Landesteil, der zu dem bis dahin geschlossen katholischen Bayern kam und evangelisch blieb. Im Landl hat also die bayerische Evangelisch - Lutherische Landeskirche ihren Anfang. Verwaltet wird das Landl jetzt von (katholischen) Pflegern des Kurfürsten Karl Albrecht. Nach und nach werden immer mehr Katholiken ansässig, deren Zuwanderung begünstigt wird: Beamte mit ihren Familien und Bediensteten, aber auch Katholiken anderer Berufe. 1750 ruft der Kurfürst zwei Kapuziner als Hofgeistliche und „Missionare“ nach Sulzbürg und lässt ihnen im ehemaligen Oberamtshaus ein Hospiz einrichten. Dem Versuch, ihr die erst 1723 neu erbaute Schlosskirche zu nehmen, widersetzt sich die evangelische Gemeinde vehement und erfolgreich. So lässt der Kurfürst 1756 neben dem evangelischen Gotteshaus die katholische Hof- und Missionskirche errichten, heute Pfarrkirche „Zur Schmerzhaften Muttergottes“ Seitdem grüßen vom Schlossberg als dessen Wahrzeichen zwei Kirchen weit ins Land. Von den Schlössern daneben ist jedoch heute nur mehr wenig vorhanden: das Torwarthaus, Reste von Türmen und Mauern und die breiten Wehrgräben. Während Niedersulzbürg schon um 1600 aufgegeben wurde und verfiel, wurde das gewaltige Schloss Obersulzbürg, das weithin das Land beherrschte, bald nach 1800 zum Abbruch freigegeben. Schon seit dem 15. Jahrhundert konnten sich hier als Folge der Judenpogrome immer wieder jüdische Familien ansiedeln. Um 1850 bildeten sie ein Drittel der Bevölkerung, und die beiden christlichen Konfessionen und die jüdische Bevölkerung lebten in großer Toleranz zusammen. Infolge mehrerer Auswanderungswellen nach Amerika und in die größeren deutschen Städte ging jedoch die Zahl der jüdischen Bewohner bald stark zurück. Im November 1938 waren nur noch 16 Juden in Sulzbürg. In der Reichspogromnacht wurden die etwa 12 Thorarollen mit Beilen zerschlagen und das Synagogengebäude beschädigt. Die festgenommenen Juden, nur alte Männer, entließ die Polizei bald wieder; nur einer wurde ins KZ nach Dachau gebracht, weil er Widerstand leistete. 1942 wurden die letzten 11 Sulzbürger Juden nach Theresienstadt bzw. in polnische Vernichtungslager antransportiert.
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