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Von Dampfrössern zu Drahteseln
Wissenswertes zum Weg
Überrascht bleibt der Wanderer stehen, wenn er aus dem Wald auf die Wiesen im „Allmannsfelder Graben“ hinauskommt und plötzlich vor einer beeindruckenden Brücke steht, die mit mächtigen Bögen dieses abgelegene Tal überspannt. „Hoibruck“ nennen sie die Einheimischen. Sie ist Teil der 1903 fertig gestellten ehemaligen Lokalbahn Lauterhofen – Amberg und ein Meisterwerk der damaligen Eisenbahnbaukunst. Bis zu 18 m ragen die 4 Pfeiler aus heimischem Jurastein empor, 82 m lang und 3,70 m breit ist die „Fahrbahn“ über die Brücke. 1962 wurde der Personenverkehr eingestellt, 1972 fuhr der letzte fahrplanmäßige Güterzug. Heute ist die Brücke das „Highlight“ des Schweppermann - Radweges von Neumarkt nach Amberg und Schwarzenfeld an der Naab. Wir wandern auf dem Gebiet der Pfarrei Ursensollen. Der Ort lag an der „Hohen Straße“ („D´Houch Strouß“), die von Nürnberg nach Böhmen führte. Schon in vorchristlicher Zeit wurde sie begangen. Bereits um 1144 ist ein Heinrich von „Ursensoligen“ urkundlich erwähnt. Als bekanntester „Sohn“ ihrer Gemeinde gilt den Ursensollenern ein Minnesänger aus einem Geschlecht mit Namen Scharfenberg (um 1270). Eine gleichnamige Familie bewohnte die nahe Burg Scharfenberg. Deren Wappen findet sich auch unter den Wohltätern des Klosters Kastl im Wappenfries in der dortigen Kirche auf dem Klosterberg. Wenn auch von der ehemaligen Burg nur noch klägliche Mauerreste erhalten sind, so beeindruckt doch ihre Lage auf einem Felssporn, dessen drei Seiten steil abfallen, noch heute. Von der Bergseite her war sie durch einen Halsgraben geschützt, der sich noch deutlich im Gelände abzeichnet. Ein üppiger Teppich von Immergrün, einer typischen „Burgpflanze“ des Mittelalters, umgibt diesen romantischen Ort, an dem unsere Wanderung nahe vorbeiführt. Wie schwer muss im Mittelalter das Leben in einer solchen Burg gewesen sein! Kein Wunder, dass sie die Scharfenberger schon im 14. Jahrhundert verließen und sich im Ort neben der Kirche niederließen. Das ehemalige Hofmarksschloss in der Vitusstraße erinnert an die späteren Hofmarksherren von Ursensollen.
Seit der Gebietsreform 1972 ist Ursensollen eine Flächengemeinde mit 38 Ortsteilen. Ihr Zentrum ist das moderne Rathaus. 1323 ist erstmals eine Kirche erwähnt, die bereits damals zur Pfarrei Pfaffenhofen bei Kastl gehörte. 1856 wurde eine Expositur errichtet, und erst 1922 wurde Ursensollen eine eigenständige Pfarrei. Die Pfarrkirche St. Vitus wurde zwischen 1712 und 1715 erbaut und 1955 erweitert. Bis heute wird sie als Simultankirche genutzt. Ihre Altäre sind gute Beispiele von Akanthus-Altären - in dieser Gegend eine Seltenheit. Kunstgeschichtlich bedeutend ist das Messingepitaph des Johann von Erkenbrechtshausen, eine Gedenktafel für den 1578 verstorbenen Hofmarksherren. Vor dem Hintergrund der Stadt Jerusalem kniet er im Harnisch demütig vor dem Gekreuzigten. Die Umgebung von Ursensollen, durch die unsere Wanderung führt, ist sehr waldreich. Wer die Aussicht von dem 537 m hoch gelegenen Ort genießen möchte, sollte bei klarer Sicht unbedingt noch den kurzen, unbeschwerlichen Weg nach Hohenkemnath gehen, das bereits im Bistum Regenburg liegt. Ein weiter Rundblick wird ihn belohnen: Zum Annaberg bei Sulzbach und zum Fichtelgebirge im Westen und Nordwesten, nach Amberg im Norden und zum Oberpfälzer Wald im Osten. Die 1968 erbaute Zeltkirche gegenüber dem alten Schloss ist gutes Beispiel moderner Kirchenarchitektur.
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